Gedanken zur Kunst

Offenbach überstrahlt alles

–Eine Erwiderung

Intensiven Lesern der Kölner Stadtpresse wird in diesen Wochen der gründliche Verriss nicht entgangen sein, den das Flagschiff der Kölner Oper für das Offenbachjahr 2019 hat hinnehmen müssen: “Die Grossherzogin von Gerolstein“.Dabei steht die Übertragung des eigentlichen Inhalts des Stücks hin zu den Problemen unserer Tage im Mittelpunkt der Kritik. Offenbach`s Soldaten werden zu Waldbesetzern im Hambacher Forst und kämpfen für den Goldenen Frosch. Weitere Aktualisierungen in der Aufführung sind wohlfeil.

Die Inszenierung folgt damit Zeitgeist. Denn die Übertragung der eigentlichen Inhalte künstlerischer Werke in die Jetztzeit oder ihre Anreicherung mit Problemen von heute ist üblich geworden und wird grundsätzlich akzeptiert. Warum sollte man auch nicht alten Problemen ein neues Kleid überziehen und sie so aktualisiert darbieten? Freilich sollte damit nur die Verpackung geändert, aktualisiert sein, die eigentliche Problemstellung die geschildert werden soll, muss sakrosankt bleiben. Und das gelingt im vorliegenden Falle meisterhaft sowohl bezogen auf die beabsichtigte Kritik an militärischem Gehabe als auch ,bezogen auf die kleinstaatliche Wichtigtuerei. Dabei ist die Bühne in bester Offenbachscher Manier von grösstem Leben erfüllt, sie kommt keinen Moment zur Ruhe. Allgegenwärtig beleben waldschratartige Geschöpfe krabbelnd und kraxelnd, auch tanzend, das farbenfrohe Bühnenbild. All`das entbehrt keineswegs des Witzes ,wenngleich man hier vielleicht treffender von Jeckereien sprechen sollte.

Und dazu Offenbachsche Musik. Sie überstrahlt alles. Mit der Ouvertüre beginnend, wird der Zuhörer von einem Strom von Melodien umspült. Sie tragen das Stück nicht zuletzt ,weil sie von Francois-Xavier Roth mit französischer Leichtigkeit dargeboten werden .Welch`geistreicher Wohlklang, der sich übrigens auch bei der WDR 3- Übertragung am 23. Juni 2019 einstellte, wo der Zuhörer seine Aufmerksamkeit allein der Musik widmen konnte.

Herwig Nowak

Offenbach-der Spötter

„Unsere Stadt ist voll von Offenbach“, so könnte man sagen. Die Kölner Offenbach-Gesellschaft, auch die Kölner Oper und manch` anderer Veranstalter überbieten sich fast in der Erinnerung an den geborenen Kölner, der in Paris musikalischen Ruhm erlangte. Wen wundert, dass sich auch die „Freunde des Institut francais Köln e.V.“ in nicht wenige als 10 Präsentationen des Themas annehmen.

Die jüngste war eine literarische, bei der Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums in Frankfurt, das grundlegende Werk über den Komponisten “Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit“ von Siegfried Kracauer auszugsweise vortrug. Bei der Interpretation des Werks assistierte ihr kenntnisreich der Kölner Journalist Dr. Axel Bornkessel. Zwei Offenbach Spezialisten hatten also das Wort.

Allein eine solche Präsenz verheisst schon Besonderes. Sie wurde getoppt durch die spezielle Thematik des Abends. Sie nämlich galt einem Wesenszug des Meisters, den man nicht entschieden genug in den Vordergrund rücken kann. Offenbach- sicherlich gemeinsam mit seinen Librettisten- war ein sehr kritischer Begleiter seiner Zeit. Viele Werke von ihm verstehen sich inhaltlich und musikalisch dadurch, dass er seiner Zeit den Spiegel vorhält, sie satirisch betrachtet. Und diese Satire ist das Salz in der textlichen und musikalischen Suppe. Ohne ihr Verständnis bleibt die Musik Offenbach schön und schmissig, aber wertvoll wird sie erst durch die Satire. Die charmante Referentin machte diese Aussage an zwei Operetten fest: dem „Pariser Leben“ und der“ Grossherzogin von Gerolstein“.Das „Pariser Leben“, die zauberhafteste aller Hymnen auf eine Stadt, ist dennoch geprägt von einer tiefen Skepsis den Despoten, Helden und selbst den Göttern gegenüber, die musikalisch von einer rauschhaft schönen Musik begleitet wird. Noch ironischer vielleicht die „Grossherzogin von Gerolstein“, die die deutsche Kleinstaaterei, die Militärisches und die den kaiserlichen (russischen)Hof aufs Korn nimmt und voll ist von Seitenhieben damals aktuellen, politischen Inhalts. Vieles davon lässt sich auf unsere Jetztzeit übertragen.

Herwig Nowak

Die Künste sind stärker

Dass der diesjährige Europawahlkampf lethargisch, ja sogar lieblos geführt würde, kann man so nicht wirklich sagen. Kölns Ausfallstrassen sind gut bestückt mit Plakaten und Aufstellern zu diesem Anlass. Dass diese allerdings den Bürger zu einem europafreundlichen Wahlverhalten animieren könnten, ist auch nicht unbedingt der Fall. Denn manche Aussagen sind wenig europabezogen, nicht europaspezifisch genug, und könnten in jedem anderen Wahlkampf ähnlich getroffen werden. Andere wiederum sind so detailverliebt, dass sie in einem solchen Wahlkampf um das politische Schicksal eines Kontinents fehl am Platze sind.

Da bieten die Künste–und hier ist an die Musik im besonderen zu denken– ein anderes Bild. Erwähnt seien zwei Konzerte mit europapolitischer Zielsetzung, die in diesen Wochen zu Gehör kamen.

Im Rahmen seiner Konzerte zur Spitzenklassik liess der WDR als „Musik im Dialog“ ein sog. Sprachkonzert, also eine Veranstaltung, bestehend aus Vortrag und Musik, zur Aufführung bringen. Ferdinand von Schirrach zeigte in seinem Sprachteil die europäischen Werte auf, die es zu verteidigen gilt. Er setzt sich für eine europäische Verfassung ein mit dem Recht des Menschen auf eigene Daten, eine unversehrte Umwelt und dem Schutz wirtschaftlicher Privatinteressen. Der musikalische Teil des Sprachkonzerts macht das absolute Gegenteil zum Thema: Bela Bartoks Operneinakter “Herzog Blaubarts Burg“ mit einem menschenmordenden, bestialischen Lust-und Gewaltmenschen als Herzog. Nur die hohe musikalische Qualität der Interpreten liess die Grausamkeit des Stückes erträglich werden.

Noch intensiver machte ein Extrakonzert des Gürzenich- Orchesters die Werte klar, die wir in Europa zu verteidigen haben.Werke von Joseph Haydn, Camille Saint Saens und Ludwig von Beethoven als Klassiker und solche der Modernisten György Ligeti und Shanin Najafi kamen zu Gehör. Sie waren ausgesucht worden unter dem Gesichtspunkt ihre Repräsentanz für multikulturelles Künstlertum und Kulturgeschehen in Europa. Europa wird hier gelebt in der facettenreichen Vielfalt der Musik selbst, der Vita der Komponisten und jener der Interpreten. Alles in allem ein grossartiges konzertantes Erlebnis.

Der Zuhörer aber verlässt die Konzerte in einem Zustand heilsamer Läuterung. Die Musik macht ihm klar, was Europa ist, für was es lohnt, sich zu engagieren und was erhalten werden muss.

Herwig Nowak

Der Apfel vor dem Sündenfall

– Eindrücke von der ART COLOGNE ´19 –

Wer eine Kunstmesse beschreiben, ja bewerten will, wird sich zunächst der Kunst selbst, dann möglicherweise dem Rahmen, der Inszenierung, in der die Kunst dargeboten wird, widmen. Wer über die diesjährige ART COLOGNE resümieren will ,kann die umgekehrte Reihenfolge wählen. Denn keine der jüngeren Veranstaltungen bot sich so ansprechend inszeniert dar, wie die diesjährige. Ansprechend. Da sind zunächst die drei grossen Rekreationsflächen zu nennen, die dem müden Messebesucher Erholung boten. In angenehm-attraktiver Farbgebung gehalten, werden sie von Ausstellungskojen umgeben, deren Bildexponate den Raum mitgestalten und den Eindruck vermitteln, in einem grossen Kunstmuseum zu sein. Auch die generelle Schwarz-Weiss- Ausgestaltung von Wänden und Decken-schwarz die Decken, weiss die Wände der Kojen-, vermitteln einen aufgeräumten, sauberen Eindruck. Dabei trägt die Konzentration der Messe auf nur zwei Etagen zu grösserer Überschaubarkeit des Angebots bei und ist positiv zu werten. Allerdings ist die Unterteilung der Etagen in Modern, Post-war und Contemporary  einerseits(Halle 11.1) und Contemporary Art andererseits(Halle 11.2) eher im Sinne der Bildung von Ausstellungsschwerpunkten zu verstehen und lässt künftig eine grössere Stringenz erhoffen.

 

Und was ist mit der Kunst selbst? Zunächst: Die Reduzierung der Anzahl der Aussteller auf 177 Galerien tut einem weiten Angebot an Kunst keinen Abbruch. Ihre Vielgestaltigkeit steht allerdings einer detailierten Aussage und Bewertung im Rahmen unseres Exkurses entgegen. Das gemalte Bild als Raumschmuck in normaler Grösse bildet das Schwergewicht der künstlerischen Darstellungen auf dieser Messe .Dabei mag man gewisse Trends  erkennen. Etwa den, das Glas zum Gegenstand der künstlerischen Aussage selbst zu machen und nicht nur als Schutzschicht eines Bildes zu verwenden .Akrylglas, rückseitig bemalt, führt zu  neuen, ungewohnten “sehenswerten“, bisweilen philosophischen Bildinhalten. Hier sei auf Claire Fontaine“ Werk “Evil/Good“ als verglaste LED beleuchtete Lichtbox aufmerksam gemacht. Bildlich anknüpfend an das allbekannte Firmenlogo des angebissenen Apfels, wird hier der heile, unbeschädigte Apfel ,also jener vor dem Sündenfall, in seiner natürlichen Schönheit, Unberührtheit, Vollkommenheit dargestellt, nichts anderes. Die Kunst heilt Wunden und führt zum Heil der Menschheit. Eine schöne philosophische Botschaft ,die allein schon den Besuch der ART COLOGNE rechtfertigt.

Herwig Nowak

 

Das extraordinäre Konzert

Klavierabend „250 piano pieces for Beethoven“ mit Susanne Kessel

Eigentlich schon seit Jahren kann die Pflege des künstlerischen Erbes Ludwig van Beethovens in der südlichen Nachbarstadt Kölns Aufmerksamkeit beanspruchen. Mit grosser Intensität und ebensolchem Ideenreichtum wird in Bonn des grossen Sohnes der Stadt gedacht. Dabei war es zunächst weniger die städtische Administration als das Bonner Bürgertum, zusammengeschlossen in den “Bürgern für Beethoven“, das sich für Erhalt und Fortführung des alljährlichen Beethovenfestes stark machte.

In den Rahmen dieser Bemühungen passt sich ein aussergewöhnliches Konzert ein, das anlässlich des diesjährigen Todestages Beethovens am 26. März 2019`im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses gegeben wurde. Angekündigt als ein Gesprächskonzert, war ein Ereignis zu erleben, das nach Inszenierung und künstlerischer Aussage seinesgleichen sucht. Beides führt sich auf die Bonner Pianistin Susanne Kessel zurück, die für das Konzept und seine Durchführung verantwortlich war. Konzeptionell bestand das Konzert aus mehreren Blöcken. Jeder von ihnen rankte sich um ein Stück von Beethoven, das zunächst gespielt und dann von mehreren zeitgenössischen Komponisten im Rahmen jeweils eines neu komponierten Klavierstückes musikalisch beleuchtet wurde. Dabei kamen teils sehr junge, aber hauptsächlich renommierte ältere Komponisten zu Gehör. Es entstanden Klanggemälde von grösster Vielfalt, die dem Abend einen lebhaften, sehr vielartigen, ja noch nicht gehörten musikalischen Charakter gaben. Zum Verständnis einzelner Stücke trugen verbale Interpretationen bei, die Prof. Dr. Rainer Nonnenmann und auch Susanne Kessel selbst beisteuerten. Insgesamt waren an diesem Abend 17 Neukompositionen zu hören; darunter 7 Uraufführungen.

Der Abend lässt eine gewisse Fortführung im kommenden Jahr zum 250 sten Geburtstag Beethovens erwarten. Denn zu diesem Anlass hat Susanne Kessel 250 Komponisten aus aller Welt persönlich beauftragt, jeweils eine Komposition zu Ehren Beethovens zu schreiben. Alle Bereiche der Musik sollen insoweit zu ihrem Recht kommen und Beethoven zeitgenössisch interpretieren. Die Werke werden in Form von Notenbänden und CDs veröffentlicht und von Susanne Kessel in Konzerten dargeboten. Derzeit liegen bereits 194 Kompositionen von Komponisten aus 45 Ländern vor. Unterstützung des Vorhabens durch Sponsoring ist willkommen(susannekessel@gmx.de;www.250-pieces-for beethoven.com).

Herwig Nowak

Kunst voll: Dresden

Es gibt nicht wenige Reisende nach Dresden, die der Stadt ihren Besuch in der nostalgischen Erwartung abstatten, dort Erinnerungen an das, was man als Kommunismus bezeichnete, zu erleben.

Kunstinteressierte  Besucher indes spüren der Stadt ob ihrer Bedeutung auf kunstschaffendem und kunstdarbietenden Gebiet nach. An sie richten sich die nachfolgenden Zeilen. Sie werden derzeit nicht enttäuscht.

Denn mit der Ausstellung „Zukunftsträume Kandinsky, Mondrian, Lissitzky abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1912-1932“,die derzeit im Dresdner Albertinum gezeigt wird, wird eine der grossen kunstorientierten Epochen der Stadt in die öffentliche Wahrnehmung zurückgerufen.

Eigentlich sind es drei Fundamente, auf denen der damalige künstlerische Ruhm der Stadt beruhte. Zunächst war es eine kleine aber überaus aktive Gruppe von Kunstgalerien, die sich dem sachlich-modernen Stil zuwandten. Sie waren stilbildend-mutig dem Neuen zugewandt. Nicht weniger mutig und stilorientiert war die ebenfalls kleine Gruppe Dresdner Sammler. Und dann war da die schon grössere Gruppe der Künstler, möglicherweise auf Dresden aufmerksam geworden durch die angedeuteten günstigen Arbeitsbedingungen, die sich der Stadt zuwandten. Darunter waren auch jene Künstler, die wir heute zu den ganz grossen der Zeit zählen: Lyonel Feininger, Piet Mondrian, Wassily Kandinsky, Kurt Schwitters, um nur einige zu nennen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Arbeitsweisen und der Aussagen der Künstler en detail, die die Künstler z.T. bereits seit früheren Betätigungen -etwa beim Bauhaus-praktizierten, lässt sich doch eine Kunstrichtung ausmachen, die wir heute mit den Adjektiven abstrakt-konstruktiv bezeichnen. Sie war bestimmt durch grafisch, mathematische Darstellungen im Bildnerischen. Aber weitere Kriterien lassen sich festmachen. Da ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Bild-Fläche, Bild- Raum. Da ist die Breite der künstlerischen Betätigung, die sich auch auf Möbel, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände bezog. Und da sind die kunsttheoretischen Arbeiten zu nennen, die sich etwa mit der Abgrenzung von Kunst und Design beschäftigen.

 

Wer sich also mit den Wurzeln unserer heutigen künstlerischen Aussagen beschäftigt, dem sei ein Besuch der Dresdner Ausstellung empfohlen.

 

Herwig Nowak

Bälle und Bälle

Es gibt Bälle und Bälle. Die einen sind eine fulminante Huldigung an das Schöne. Die anderen unterlegen die blosse Präsentation der Schönheit mit sozialem Engagement.

 

Bei dem einen geben sich schöne Menschen, die diesem Ideal durch aufwendige bis extravagante Kleidung noch Nachdruck verleihen, nicht selten ordensgeschmückt, in ausgewählten Räumlichkeiten ,die für diesen Zweck meist besonders hergerichtet sind, ihrem Tanzvergnügen, also sich selbst ,hin. Nicht zuletzt übrigens, um zu sehen und gesehen zu werden. Gute Tanzmusik, dargeboten von entsprechenden Orchester, vermag einem Ball irdische Schwere zu nehmen und ihn dem Transzendenten nahe zu rücken. Bälle dieser Art sind meist höfischen Ursprungs. Wien ist heute die unbestreitbare Hochburg solcher Ballkultur. Köln ist zwar insoweit nicht arm. Aber seine Bälle-meist karnevalistischen Ursprungs- erreichen nicht das Niveau der ehemaligen Kaiserstadt.

 

Nun gibt es aber auch Bälle, eben die anderen, die dem Schönheitskult eine soziale Aufgabe zuordnen. Diese Bälle haben also eine supplementäre Aufgabe. Sie stehen in nichts der glamourösen Attitude der erstgenannten Bälle nach. Der Schönheit des Ballgeschehens drücken die Menschen und der Rahmen des Balles ihren Stempel auf. Aber die soziale Aufgabe des Balles, die den Teilnehmern durch die Animation zum Sponsoring für wohltätige Zwecke nahe gebracht wird, ist doch ein wichtiger Bestandteil des Balles.

 

Beispielhaft mag der WIZO-Ball erwähnt werden, zu dem die Kölner Gruppe der „Women´s International Zionist Organisation( Wizo)“alljährlich einlädt. Der Ball macht sich unter dem Projektnamen “Sponsor a Child“ zur Aufgabe, Patenschaften für sozial benachteiligte israelische Kinder zu finanzieren, um diesen für ein Jahr den Aufenthalt in einer der WIZO-Kindertagesstätten zu ermöglichen. Welch` schönes Ergebnis  des WIZO-Balles 2018, dass 248 Kindern ein solcher Jahresaufenthalt gewährt werden kann,und herzlicher Dank sei an die Sponsoren gerichtet.

 

Herwig Nowak

Offenbach und die Anderen

Es gibt Konzerte, da vermittelt der erste Einsatz der Streicher einen Eindruck von der musikalischen Qualität des zu erwartenden ganzen Konzerts. Das Konzert „Offenbach in der Musik seiner Zeit“, das das jugendliche Künstlerensemble VivazzA am 25.Januar im Institut Francais in Köln gab, war eines dieser besonderen musikalischen Ereignisse. Mit ihm eröffnete das Institut den Reigen sein er Veranstaltungen zum Offenbach-Jahr in Köln. Kraftvoll, deutlich, vielleicht manchmal eine Idee zu hart, aber klar und sauber, war der Klang in der fast dreistündigen Veranstaltung. Sie stellte neben der musikalischen Wertigkeit die Breite des kompositorischen Schaffens schwergewichtig in der ersten Hälfte des 19.Jahrhundert vor. Dabei führte sie dem Zuhörer neben Frederic Chopins Klavierkonzert Nr.2 und Carmen Stefanescu am Flügel mit Louise Farrenc und Robert Nicolas-Charles Bochsa auch weithin unbekannte, auch französische Komponisten vor.

Ja, und dann eben Offenbach als Kontrapart. Denn das Konzert hatte auch eine pädagogischen Aufgabe. Es sollte dem Zuhörer animieren, Offenbach musikalisch einzuordnen: als Komponist des damaligen Zeitgeistes oder einer eigenen musikalischen Sprache. Das Konzert bot Szenen aus Hoffmanns Erzählungen“ mit zwei hervorragenden Solistinnen: Stephanie Wordling Bucher, Mezzosopran, und Yvonne Prentki, Sopran. Unvergesslich ihre Olympia-Arie “Les oiseau dans la Charmille“. Unvergesslich der ganze Abend. Ein wundervoller Einstieg in das, was das Institut Francais im Offenbach-Jahr zu bieten haben wird.

Herwig Nowak

Köln feiert den Geburtstag der Kunst

Sie zählt sicherlich nicht zu den bekanntesten Heiligen der Katholischen Kirche ,die hl. Gertrud von Nivelles. Dennoch ist sie in Köln durchaus präsent. Ihr ist  ein Gotteshaus geweiht ,das nach Architektur und Nutzung seines Gleichen sucht .Architektonisch ist sie ein Werk des bekannten Kirchenbauers Gottfried Böhm, der in Anpassung an das mystische Vorbild der Heiligen ein dunkles ,geheimnisvolles ,zu Meditation  anhaltendes Bauwerk im art- brut –Stil schuf.

 

Getreu der Erkenntnis, dass sich Religion und Kunst viel zu sagen haben, ist in ihr heute beides vertreten. Nun kam es in diesen Wochen in der Kirche zu einem geradezu sensationellen künstlerischen Ereignis :man feierte den Geburtstag der Kunst. Schon im Jahre 1963 war der französische Künstler Robert Filliou zu der möglicherweise religiös motivierten Eingebung gekommen, dass auch die Kunst einen Geburtstag haben müsse und dass der  eine Million Jahre vor seinem eigenen Geburtstag am 17.1. zu datieren sei. Die Kunstwelt hatte dem nichts entgegen zu setzen und feiert seitdem eine weltweit vernetzte Huldigung an die Kunst.

 

Köln konnte und wollte dem nicht entraten und zelebrierte in Zusammenarbeit mit dem „experimental music workshop“ am Klanglabor der Kunsthochschule für Medien unter der Leitung von Prof. Hans W .Koch ,Prof für Sounds, einen in Form und musikalischem Inhalt bemerkenswerten Abend .In dem so gut wie dunklen Kirchenraum irrlichterten 10 Gestalten, die der Kunst ihre Geburtstagsgeschenke darboten oder die Zuhörer aufforderten, das ihrerseits zu tuen. Einzelne Zuhörer macht der Kunst  Gegengeschenke. Die Geburtstagsfeier stand ganz im Zeichen experimenteller Musik, sie war das tragende Element des Abends. Zu hören waren Klassiker  der experimentelle Musik wie auch Uraufführungen. Die Stadt wurde einmal mehr  ihrem Ruf als Zentrum dieser Musik gerecht: Zur Aufführung kamen Werke von Takehisa Kosugi, John Cage ,Peter Behrendsen und Johannes Hoffmann .Der Abend geriet zu einer eigenwilligen Geburtstagsfeier ,die dem  ebenso eigenwilligen  Anlass durchaus gerecht wurde.

 

Herwig Nowak

Danke, Michael

Es ist sicherlich nicht ganz alltäglich, dass jemand prägende Jahre seines Lebens widmet,“ damit der Dom uns bleibt“. Michael H.G. Hoffmann hat das getan.14 Jahre lang—von 2004 bis 2018—war er Präsident des Kölner Zentral-Dombau-Vereins Und obwohl die Erwartungen an ihn nach seinem unvergessenen Vorgänger Karl Heinz Lang schon hoch waren, kann man seine Jahre als eine Glanzzeit für die Förderung des Doms bezeichnen .Dabei kann man sagen, dass die Höhepunkte der “Ära Hoffmann“ erst gegen deren Ende lagen ,als nämlich der Zentral- Dombau- Verein sein 175 Jähriges Bestehen feierte .Der festlichen Ereignisse war damals fast kein Ende. Erwähnt werden soll hier aber nur der Festakt in der Philharmonie mit dem Besuch des Bundespräsidenten. Andere Aktivitäten könnten ergänzend genannt werden. Von ihnen allen ging eine wiederbelebte Bewustseinsbildung für den Dom als integrativen Bestandteil dieser Stadt aus. Fast wurde man an die Feierlichkeiten erinnert ,die nach dem Zweiten Weltkrieg in Erinnerung an die Domgründung stattfanden. Und all` das findet sichtbaren Ausdruck in der günstigen Entwicklung zunächst der Mitgliederzahlen des Vereins, dann der Spenden, die dem Verein zufliessen, oder –besser noch- in der überwältigenden  Resonanz , die die Arbeit des Vereins in der Kölner Bevölkerung findet.

Aber genug der Schilderung des äusseren Rahmens der Hoffmann`schen Zeit. Ein solcher findet indessen Resonanz beim Menschen nur, wenn er auf einem glaubhaften Fundament beruht .Michael H. G  .Hoffmann hat in seiner menschennahen ,begeisternden Art vermittelt ,dass es ihm nicht allein darum geht “Hoff „nung zu erwecken, sondern sie auch zu realiseren. Er war ein „Macher am Dom“

Herwig Nowak