A I WEIWEI in Düsseldorf

Wer sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigt, trifft immer wieder auf den chinesischen Gegenwartskünstler A I WEIWEI.Es nimmt nicht wunder, dass sich auch die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen an gleich zwei Ausstellungsstätten den Künstler zu eigen macht und die Diskussion um ihn anregt. Dabei mögen sowohl die verwandten Sujets als auch deren künstlerische Verarbeitung als fremdländisch Aufmerksamkeit erregen.

 

Zunächst nimmt der Ausstellungsraum K 20 den Besucher durch ungewöhnlich  grossflächige Exponate auf dem Boden und an den Wänden gefangen. In dem beherrschenden Werk “Sunflower seeds“ wird die Bodenfläche der Ausstellungshalle in 650 Quadratmeter Grösse mit über 60 Millionen einzeln anfertigten, handbemalten Porzellanelementen ,Sonnenblumenkernen eben, in einer Höhe von ca.20 cm belegt. Der einzelne Kern verliert jedwede Bedeutung, was wirkt, ist die Masse.

 

Mit einer Anordnung von Holzsärgen, in denen geradegerichtete Moniereisenstangen liegen, wird an ein grosses Erdbeben erinnert, bei dem im Jahre 2008 70.000 Menschen darunter 5.000 Schulkinder ihr Leben liessen. Die hohe Anzahl toter Kinder wird auf eine nachlässige Ausführung des Schulgebäudes zurückgeführt, in dem die Kinder unterrichtet wurden. Die Begradigung des Eisens kann zwar das äussere Geschehen korrigieren, hält aber die Erinnerung an das fatale Geschehen fest.

 

Aufgereiht an 40 Kleiderständern werden die 2045 Kleidungsstücke gezeigt, die nach der Auflösung eines Flüchtlingslagers aufgefunden wurden. Sie konfrontieren den Besucher mit der Realität von Vertreibung und Flucht mit grosser Härte, geradezu Brutalität.

 

Die Düsseldorfer Ausstellung schildert politische Sachverhalte, die sie anklagt ,aber  deren Besserung oder Beseitigung sie nicht aufzuzeigen in der Lage ist. Insoweit ist sie Dokumentation, bei der sich fragt, ob sie mit künstlerischen Mitteln abgearbeitet wird. Insoweit sollte man hinter die Einleitung des Kurzführers der Ausstellung „Alles ist Kunst. Alles ist Politik“ ein Fragezeichen setzen. Insgesamt sehenswert, aber kein Sonntagsspaziergang.

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