Alles über Venedig?

„Venedig, Venedig-Perspektiven“ ist der Titel, den Kristof Scabo, seit einer Reihe von Jahren und mit zahlreichen Tanzproduktionen einer der Protagonisten der freien Tanzscene in unserer Stadt, seiner neuesten Arbeit gegeben hat. Aufgenommen im Kölner Orangerie Theater, war und ist sie gestreamt zu empfangen.

Wer allerdings ein Kaleidoskop all` des Schönen, Schmeichelnden und Touristengeneigten der Stadt erwartet, bleibt auf einige wenige Aspekte  beschränkt. Im Mittelpunkt steht naturgemäss der Tanz, dargeboten von drei unterschiedlichen Frauentypen, die ihre Kräfte und Ausdrucksformen dazu einsetzen ,die Stadt vor ihrer Bedrohung durch das Wasser zu retten. Ihre Bemühungen bleiben unentschieden. Aber es kommt ihnen ein Engel zur Hilfe, als Göttin der Energie und übrigens auch des Todes. Er sichert die Zukunft der Stadt ab, sodass  die Präsentation mit farbenfrohen Bildern touristischen Lebens in Venedig und leicht-eingängiger Musik schliessen kann, wie sie Touristen als Urlaubsgäste lieben .Der Autor beruft sich dabei auf Bilder von Tintoretto,  die er in seine Gedanken aufnimmt.

Dem Rezensenten seien indessen zwei Wünsche erlaubt: Man möchte sich schon eine gewisse Verständnishilfe wünschen, wenn zunächst hochgradige Tanzkunst in der etwas dürftigen Bühnenausstattung aus Holzlatten gezeigt wird, dann sollte es doch ausdrucksstärkere Bezüge zu der Stadt geben, in der das Tanzfestival stattfindet.

Auch Tintoretto bleibt sehr im Hintergrund.  Dass sich eine Kunstform Aussagen einer anderen zu eigen macht, die Literatur etwa  Bilderinhalte zum Gegenstand ihrer Aussage macht, sie beschreibt und bewertet, ist nicht neu und nicht zu kritisieren. Gleiches gilt für die Musik ,die sich ebenfalls Literarisches zu eigen macht und musikalisch verarbeitet. Unter diesen Gesichtspunkten gesehen, hätte man sich die wichtige Passage der Performance, bei der sich-fussend auf den Darstellungen Tintorettos- die Zukunft der Stadt zum Guten wendet, klarer bezogen gewünscht.

Herwig Nowak

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