Persien und die Bilder

-Eine Ausstellung  in der Michael Horbach Stiftung-

„Iran ist ein Land der Bilder“ ,so stellt Charlotte Wiedemann in ihrem lesenswerten Buch „Der neue Iran“, im Vorjahr erschienen, fest. Es ist verdienstvoll, dass sich die Michael Horbach Stiftung in  Köln in ihren Kunsträumen dieser Thematik öffnet. Sie tut dies bereits zum zweiten Mal. Denn bereits vor vier Jahren stellte sie junge iranische Künstler aus. Diesmal geschieht dies unter dem Titel “ Berge begegnen sich nicht“ ,einer bedauerlicherweise verkürzten und deshalb nur schwer verständlichen Widergabe eines persischen Sprichworts.

Verdienstvoll ist das Vorhaben deshalb, weil es zeigt, dass in Persien nicht nur Religion und Politik das Sagen haben, sondern eben auch die Kunst ihren Platz im Öffentlichen Leben beansprucht. Allerdings muss gesagt werden, dass sie oftmals im Dienste der  anderen Staatsziele steht, propagandistisch eingesetzt wird, etwa wenn grossflächige, farbenstarke Wandgemälde im öffentlichen Raum nur aus ihrer politischen Zielsetzung heraus verstanden werden können .Nicht desdo weniger setzt eine alte Kulturnation ihre Kunstgeschichte mit zeitgenössischer Kunst fort und hebt sich damit mutvoll von  kunstfeindlichen Nachbarländern ab.

So sind es also zwei Komponenten, die in die heutige iranische Kunst einfliessen: eine propagandistische und eine andere, die schlicht genuin iranisch sein will und sich dabei mit westlichen Einflüssen auseinandersetzt.

Der Kölner Ausstellung ist-bedauerlicherweise?-eine solche Auseinandersetzung nicht zu eigen. Ambitionen in der einen oder anderen Richtung sind ihr fremd, sie zeigt einfach Bilder.

Herwig Nowak

Ein „buranischer Vormittag“

„Warum in die Ferne schweifen, hört das Gute ist so nahe“. Mit dieser leicht modifizierten, vielleicht auch etwas abgegriffenen Volksweisheit beschreibt sich ein „buranischer Vormittag“,in dessen Mittelpunkt also die Aufführung der Carmina Burana von Carl Orff stand. In der Tat waren es  ganz überwiegend rheinische Kräfte, die das „Hörfest“ gestalteten. Die choristische Seite sei zunächst genannt ,da das „Hörfest„ doch ein Chorfest war. Und hier sei die „Kölner Kurrende“ zunächst genannt. Dieser Laienchor feierte mit diesem Konzert sein 50 jähriges Bestehen. Damals als Vorortchor gegründet, ist er heute ein fester Bestandteil des Kölner Musiklebens. Aber es waren insgesamt drei Chöre, die unter dem ausdrucksstarken Dirigat von Michael Reif, den Carmina Burana musikalisch Leben verschafften. Ausser dem bereits genannten Chor war es der Europäische Kammerchor und nicht zuletzt die Junge Kantorei St. Martin. Unglaublich schön zu hören, wenn junge unverbildete Kinderstimmen die Liebe unter Erwachsenen besingen.

Aber das Werk lebt natürlich von seiner kompositorischen Seite. Orff´sche Musik hat letztlich doch etwas Opernhaftes an sich, wenn Chorstücke und Solistenstücke mit einander geradezu spektakulär abwechseln, laut und stark rythmisch einmal, überaus feinsinnig, ja inniglich leise zum anderen. Schon der Wechsel als solcher nimmt den Zuhörer gefangen, zu dem dann noch die textlichen und sprachlichen Abwechslungen kommen. Es sind einfache Volksweisheiten, aber getragen von voller Freude am Dasein.

All` dem gaben sie Solisten gekonnt musikalischen Ausdruck: Annabelle Heinen, Sopran, Thomas Laske, Bariton und Oscar de la Torre, Tenor, unterstützt von den Bochumer Symphonikern.

In Zeiten viraler Bedrängnis tut unbefangen Lebensvolles gut.Es gibt uns allen neuen Lebensmut.

Herwig Nowak

War das Bauhaus auch französisch?

Gemeinhin wird die künstlerische Revolution, die das Bauhaus ausgelöst hat, in Deutschland verortet. Die Städte Weimar, Dessau und Berlin waren die geografischen Schwerpunkte für die Kreation des Bauhausstils. Und auch wenn man in`s Kalkül zieht, dass dort Bauhauskünstler aus vielen Ländern tätig waren und ihre Spuren hinterliessen ,gelten der Bauhausstil und seine Produkte wirtschaftlich als der „erfolgreichste kulturelle Exportartikel Deutschlands.“

Das Musee Louis Vuitton, Paris, ohnehin für künstlerische Entdeckungen gut, präsentiert nun  die Ausstellung “Le monde nouveau de Charlotte Perriand“, französische Künstlerin, Architektin, Stadtplanerin und Designerin, die Bauhausideen in Frankreich realisiert hat. Zunächst muss man freilich sagen, dass die Voraussetzungen dafür, einen neuen Stil zu schaffen, in Deutschland und in Frankreich durchaus vergleichbar waren. Der erste Weltkrieg hatte in beiden Ländern furchtbare Wunden geschlagen und der Ruf, Altes einzureissen und nach Neuem zu suchen, war verständlich und unüberhörbar. Die fortschreitende Industrialisierung war in beiden Ländern mit neuen Arbeitsmethoden verbunden und führte zu neuen Produkten. In den Städten stand die bisherige Wohnweise zur Disposition, neue Wohnformen wurden gesucht.

Mit ihrem Ausspruch “La creation ne connait pas de formule“ ruft Charlotte Perriand zu neuen Gestaltungen auf, für die es keine Grenzen gibt. Wie auch in Deutschland beinhaltet der Ausspruch die Zusammenarbeit aller Künste und innerhalb der Künste der Werkstätten mit dem Ziel, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Mag letztere Zielsetzung auch in Deutschland wesentlich ausgeprägter gewesen sein, so war sie immanent auch in Frankreich vorhanden. Sehr plastisch bringt die Ausstellung die Zusammenarbeit von Malerei und Wohnen zum Ausdruck, wo namhafte Künstler, wie Le Corbusier, und besonders Maler, wie Fernand Leger und Robert Delaunay Ideengeber für Architektur und Design sind. In Deutschland ist von Ähnlichem zu sprechen, allerdings mit anderen Namen.

Stärker vielleicht als in Deutschland stellt sich das neue gestalterische Denken in Frankreich auch als ein Dialog der Kulturen dar, namentlich mit derjenigen Japans, wo die Künstlerin zweimal weilte. Bemerkenswert ist der Einfluss japanischer Formen auf ihr wohnbezogenes Schaffen, das wir auch insoweit durchaus als “bauhäuslich“ bezeichnen können.

Aber vielleicht ist die Fragestellung dieses Diskurses zu eng gegriffen. Denn wenn wir nochmals an die stattliche Präsenz ausländischer Künstler in Weimar und Dessau denken, könnte man durchaus auch sagen, dass das Bauhaus europäisch war.

Herwig Nowak