Bipolare Kunstdarbietung

Eine neue Form künstlerischer Präsentation bricht sich Bahn. Gemeint ist das Sprechkonzert ,in dem sich Sprache und Ton zu einer gemeinsamen Aussage ergänzen. Eine von beiden Künsten -entweder die Musik oder die Sprache- gibt das Thema vor, das dann von der anderen Kunstform auf ihre Art und Weise interpretiert wird. Dem Zuhörer wird also ein und dasselbe Thema in zweifacher Weise dargeboten ,interpretiert :mit den Mitteln der Sprache und denen der Musik.

Der WDR bot mit seinem Sprechkonzert “Safranski und Bruckner“ in diesen Wochen ein besonders gelungenes Beispiel einer solchen bipolaren Beschäftigung mit der Kunst. Die Veranstaltung kreiste um die Werte „Religion“ und „Musik“. Der Schriftsteller und Philosoph  Rüdiger Safranski behandelte in seinem Wortbeitrag das Thema“ Kunst und Religion—Kunstreligion“ und dieses Thema wurde dann musikalisch nachinterpretiert durch zwei Musikstücke: Richard Wagners Vorspiel zum 1. Aufzug aus „Lohengrin“ und der 7. Symphonie E-Dur von Anton Bruckner, beides dargeboten von dem WDR-Symphonieorchester unter der Leitung von Marek Janowski.

Rüdiger Safranski legte in der verbalen Vorgabe für den musikalischen Teil einen hohen Massstab an .Er kritisierte zunächst unser heutiges Religionsverhalten, dem der eine Glaube weitgehend abhanden gekommen sei .Es gebe stattdessen eine Vielzahl von Glauben in allen Lebensbereichen, in denen Wissen objektiv oder subjektiv nicht gegeben sei. Beispielhaft fand hier sogar die Klimasituation Erwähnung. Der Bereich der Kunst sei davon nicht ausgenommen. Die beiden Musikkünstler des Abends ,Richard Wagner, und Anton Bruckner, seien dafür Beispiele .Hier, bei der Erörterung des Gottesbegriffs der beiden Musikkünstler des Abends lag das Schwergewicht der tiefgehenden Expertise des Referenten. Der Eine ,Richard Wagner, als der  Schöpfer einer eigenen ,neuen Religion. Der Andere, Anton Bruckner, als Traditionalist, tief im katholischen Glauben verwurzelt. Aber beide gemeinsam  ist die „Schönheit der Musik „als hohem ästhetischem Massstab zu eigen.

Nun war es aber an den Zuhörern, das Gehörte in der musikalischen Wiedergabe der genannten Werke zu entdecken oder wiederzufinden. Das war für den Einen möglicherweise leichter als für den Anderen. Denn die musikalische Wiedergabe beider Werke war  etwas unterkühlt ,zu wenig emphatisch, und liess die ästhetische Schönheit der Musik etwas zu wenig hervortreten. Alles in allem aber :ein grosser Abend.

Herwig Nowak

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