Das neue Licht aus Kalkar

Zu den bekanntesten Kunststädten Deutschlands zählt Kalkar sicherlich nicht, wenngleich die dortige  Pfarrkirche St.Nicolai mit ihren holzgeschnitzten spätgotischen Altären eine wundersame Einheit künstlerischer Darstellungen bietet. Und diese Kirche ist es auch, die erneut zu Aufsehen Veranlassung gibt .Diesmal sind es die Fenster:22 grossflächige Glasarbeiten, künstlerisch gestaltet von dem wiesbadener Künstler  Karl-Martin Hartmann und glaskünstlerisch gefertigt von der Fa. Derrix Art Glass Consultants aus Taunusstein, die nach einer vierundzwanzigjährigen Planungs- und Bauzeit in diesen Tagen eingeweiht wurden und damit ihrerseits-so könnte man zunächst sagen-das Licht der Welt erblickt haben.

Aber korrekterweise  ist es umgekehrt :die Fenster bringen neues Licht in die Welt und wer sie sieht ,nein erlebt, durchzuckt ein Akt der Bewunderung .Das Licht ist nicht nur eine physikalische Grösse sondern wird zu einer künstlerischen, ja göttlichen Erscheinung. Wer also in diesen schönen Herbsttagen St.Nicolai besucht, erlebt einen lichtdurchfluteten Kirchenraum mit wunderbaren Lichtspielen. Die jeweils ca.12 m hohen Fensterflächen, zunächst z.T. aufgeteilt durch einen Mittelbalken aus Stein, teilte der Künstler in unterschiedlich grosse und unterschiedlich geformte Glassektoren auf ,in denen er mit Farben und Formen spielt.  Wenngleich die Formen ungegenständlich sind, findet sich in den Sektoren auch Gegenständliches, das es zu entdecken gilt. Aber natürlich stehen für den Betrachter die Farben im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Einige Fenster nehmen dadurch gefangen, dass wenige -eine oder zwei- Farben die Fensterfläche beherrschen. Bei anderen Fenstern wiederum wird  Vielfarbigkeit erzielt.  Jede fensterliche Darstellung umgibt ein umlaufendes weisses Band.  Ihm kommt Bedeutung zu, weil es die Darstellung auf dem Fenster von dem übrigen-künstlerisch vielleicht überladenen-Kirchenraum ,den berühmten Kalkarer Schnitzereien ,abgrenzt und die Aufmerksamkeit des Betrachters eben auf das Fenster und seine Darstellung lenkt.

Ein Wort der Bewunderung gilt aber auch der organisatorisch-finanziellen Seite des Werkes. Es löst grösste Hochachtung aus ,dass es massgeblich das aktive Bürgertum war, das ein solches Werk initiierte und realisierte. In unserer nicht sehr christlichen Zeit finden sich Bürger zusammen ,die ein Manifest christlicher Kunst schaffen. Der Niederrhein und das Land drumherum ist um eine künstlerische Attraktion reicher geworden.

Herwig Nowak

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