Die ambivalente prometheische Kultur

Eine neue künstlerische Aufführungspraxis bricht sich zunehmend Bahn. Dem WDR kommt insoweit die Rolle eines Wegbereiters zu. “Musik im Dialog“ ist die Bezeichnung unter der sog. Sprechkonzerte veranstaltet werden, in denen sich Sprache und Ton zu einer gemeinsamen  Aussage vereinen. Kristoff Scabo, ohnehin eigenwilliger Regisseur der freien Kölner Theaterszene, und sein F.A.C.E.-Ensemble dreht diese Entwicklung noch ein paar Stufen weiter, indem er  in seiner neuen Produktion “Prometheische Kultur“, in diesen Tagen zu sehen in der „Orangerie“ im Volksgarten, Video, Performance, Sprache, Gesang und Musik zu einer Gesamtheit zusammenführt und ,wenn man will, eine neue Art von „Gesamtkunstwerk „auf die Bühne bringt.  Das Ergebnis ist überwältigend.  Dabei beansprucht das visuelle Erscheinungsbild, das dadurch entsteht, beim Zuschauer so starke Aufmerksamkeit, dass er zeitweise Schwierigkeiten hat, dem textlichen Inhalt des Stückes zu folgen. Auch in der vorliegenden Rezension soll deshalb zunächst das Bildhafte und dann das Worthafte Erwähnung finden und kurz skizziert werden.

Das Bildhafte ist stets in Aufruhr. Ob es sich um mehrere Lattengerüste handelt ,die von den agierenden Personen immer wieder zu neuen Formen verwandelt werden und damit dem menschlichen Handeln gegenüber der Natur Ausdruck geben oder um die ravissante Bildsprache der Videoprojektionen auf dem Boden und den drei Wänden: das alles zusammen mit der musikalischen Interpretation machen die starke Gesamtwirkung des Äusseren aus.

Die Worte geben die Prometheussage wieder. Sie wird interpretiert durch Texte verschiedener Dichter ,die entweder von den Schauspielern gesprochen oder über Lautsprecher zu hören sind. Auch insoweit tritt der starke Anteil der technischen Interpretation hervor, wie oben schon zum Bildhaften bemerkt. Prometheus ist eine tragische Figur. Er bringt zwar das Feuer zu den Menschen und verleiht ihnen damit gestaltende Kraft. Aber sie setzten diese nur bedingt sinnvoll ein. Zu viele Schattenseiten menschlichen Handeln werden sichtbar .An die Überforderung des Planeten ist zu denken wie ebenso an die Vermüllung der Stände und an manches andere. Gerade  unserer Jahrhundert, ja sogar unsere Gegenwart bieten Zeugnisse für eine solche Feststellung. Die „Prometheische Kultur“ deckt diese ambivalente Situation schonungslos auf. Sie ist kein „Sonntagsnachmittag Spaziergang“.

Herwig Nowak

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