Die Kunst kommt zum Kunden

„Nachbarliches Musizieren“ während der Coronakrise, in manchen italienischen Städten als Manifestation südländischen Lebenswillens nicht unüblich, ist auch in unserer Stadt nicht unheimisch. Allerdings in etwas anderer Konstellation und eher als sinfonisches Musizieren zu bezeichnen. In tiefer Trauer um all die krisenbedingt ausgefallenen Konzerte hat sich das WDR Sinfonieorchester in kleinere Gruppen von Musikern aufgeteilt und besucht interessierte Zuhörer in ihren heimischen Gefilden. Streichergruppen hier, Flötenensembles dort. Die neue Situation macht also erfinderisch und man sollte sie deshalb nicht uneingeschränkt negativ sehen. Sie gewährt dem Musikliebhaber Nähe zur Kunst und zu den Künstlern, die ihm normalerweise nicht zu gute kommt. Auch bietet sie, wenn wir an andere Kunstformen ,etwa die Oper, denken, Anreize  neue Präsentationsmöglichkeiten und Darstellungsformen zu erkunden, die traditionelle Präsentationen nicht bieten. Sie gibt Gelegenheit zu einem kurzen Gedankenaustausch über die derzeitige Situation der Künste und der Künstler und auch zu einem solchen Gedankenaustausch zu der neuen Spielzeit, dann wieder am vertrauten Ort. Fast überflüssig zu sagen, dass sich bei einem Konzert im Garten eines Hauses in Neustadt-Nord der Kreis der zunächst geladenen Gäste unvorhergesehen erweiterte, weil die Nachbarn Türen und Fenster öffneten und der Musik enthusiastisch lauschten. Aber das war dann doch schon ein bisschen Italien.

Herwig Nowak

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.