Ein neues Kölner „Kirchspiel“

Eigentlich wollte man nur die Einweihung eines neuen Rosettenfensters in der evangelischen  Christuskirche am Kölner Stadtgarten feiern. Indessen rückte die Feier einen ganzen Kirchenneubau in das Licht der interessierten Öffentlichkeit. In einer Zeit, da Kirchenschliessungen und Entsakralisierungen an der Tagesordnung sind, verdient ein Kirchenneubau an sich schon der Erwähnung. Dies umso mehr, wenn es sich um ein solches Beispiel hervorragender moderner Kirchenbaukunst handelt. In der Mitte der Stadt in einem guten Wohngebiet gelegen, wurde das Grundstück schon in der Vorkriegszeit zu kirchlichen Zwecken genutzt. Die alte Kirche wurde im Krieg zerstört und danach durch einen ausdruckslosen Zweckbau ersetzt .Ihm folgte nunmehr der Neubau der Kölner Architekten Walter Maier und Klaus Hollenbeck ,ein nach Aussehen und Funktion beispielhaftes Oevre.

 

Das rechteckige Grundstück nimmt an seiner oberen schmalen Kopfseite die verbliebenen Reste der alten Kirche ,namentlich den alten Glockenturm und zugehörige Gewölbereste, auf. Dieser Teil des Areals dient heute nach gewissen Ergänzungen gottesdienstlichen Zwecken. Die untere Schmalseite des Rechtecks blieb unbebaut. Die beiden Längsseiten des Rechtecks aber wurden vornehmlich  mit hochwertiger mehrgeschossiger Wohnbebauung versehen ,die in der Höhe behutsam nach innen, also konkav, geneigt ist .Die Gesamtbebauung gewinnt dadurch einen ungewöhnlichen ,einen solitären, Charakter. Aber wichtiger ist die dadurch erzielte Kombination von Nutzungen .Das Anwesen dient wohn-und religionsbezogenen Zwecken .Man kann sich an mittelalterliche Überlegungen erinnern, wo die Kirche die Aufgabe einer Beschützerin ihrer bürgerlichen Umgebung übernahm

 

Und dann der Innenhof ,gebildet aus der oberen schmalen Kopfseite ,den beiden bebauten Längsseiten und der unbebauten zweiten Schmalseite .Von hier aus ist ein Einblick in einen hortus ecclesiasticus gegeben, der Geborgenheit und ein Stück Heimat vermittelt.

 

Das neue Rosettenfenster des Leipziger Künstlers David Schnell mag man als einen Edelstein des Anwesens bezeichnen .Ungegenständlich gestaltet, vermitteln die  leuchtenden Farben, dominiert durch die Farbe „rot“, und durch die Formen bei dem Betrachter Assoziationen der Auferstehung.

 

Das neue „Kirchspiel“ ist eine Anlage, auf die Köln stolz sein kann. Sie ist allemal einen Besuch wert.

 

Herwig Nowak

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