Eisenbahnfahren mit Paul Delvaux

Belgien, heutzutage wegen seiner unglücklichen seuchenbezogenen Situation, die sich vor allem auf  Antwerpen bezieht, in mancher Munde, gewinnt seine Bedeutung als mitteleuropäischer Staat ob seiner Lage im Herzen des Kontinents .Das Land war Anlaufstelle der europäischen Industriealisierung Anfang des 19.Jahrhunderts . Gerade auf dem Gebiet des Verkehrs und hier  besonders auf dem des damals aufkommenden Eisenbahnverkehrs ist das Land Wegbereiter. Ob es sich um die Verkehrsinfrastruktur oder um das rollende Material der Eisenbahnen selbst handelte: Belgien ist als das erste Eisenbahnland Kontinentaleuropas anzusprechen.

Schön, dass man sich daran auch heute noch erinnert. Der alte ehemalige Bahnhof Brüssel Schaerbeek beherbergt mit zwei modernen Anbauten in seinem dortige Eisenbahnmuseum  belgische und  damit europäische Eisenbahngeschichte. Während der Bahnhof selbst, liebevoll restauriert, mit seinen Schaltern und Aufenthaltsräumen  die Vorbereitung des damaligen Reisens ins Gedächtnis zurückruft, stellen die Annexgebäude das rollende Material in all` seiner Herrlichkeit und Mächtigkeit aus. Damals hatte das Rad noch Riesendimensionen und die Pleulstangen waren aus Guss und hatten Gewicht. Das Bedienungspersonal fungierte als Amtspersonen, trug gewichtige Uniformen und war sich seiner Bedeutung sehr wohl bewusst.

All` das war künstlerisches Sujet des belgischen Malers Paul Delvaux (1897-1994),vielleicht  Surrealist wie Rene Magritte und deswegen gerne in seine Nähe gerückt. Seine Werke ergänzen derzeit die ständige Ausstellung des Eisenbahnmuseums im Bahnhof von Schaerbeek in nicht nur für den Eisenbahnliebhaber sehenswerter Weise. Wenngleich vielleicht die ausgestellten Bilder von Delvaux nicht immer in einer glückhaften Weise präsentiert werden, ergänzen sie die  ständige technische Ausstellung. Sie führen Technik und Natur zusammen und integrieren die technischen Werke in eine liebevolle natürliche,  menschliche Umgebung. Die Bahnhöfe von Delvaux sind eingebettet in eine Baum- und Waldumgebung, seine Züge ebenso. Seine grossen, beherrschenden meist nackten menschlichen Gestalten lassen den Menschen als Herr des Geschehens erscheinen, wenngleich oftmals auch als beziehungsloses Wesen,dem das von ihm inszenierte Geschehen zu entgleiten droht. “Eisenbahn fahren mit Paul Delvaux“ ist, so gesehen, Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft gleichermassen. Sehenswert für den Eisenbahnliebhaber!

Herwig Nowak

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