Frauen am Ebertplatz

Wer die „Revitalisierung“ des Ebertplatz im Vorjahr  erlebt hat, wird deren Ergebnisse möglicherweise unterschiedlich bewerten. Moderne Kunst, der zu eigen ist, Vorhandenes zu entwerten, etwa Treppenanlagen zu disfunktionalisieren, muss man in ihrer Wertigkeit schon zurückhaltend beurteilen.

Umso mehr muss man eine Neuerung belobigen, die vielleicht etwas im Verborgenen blüht. Gemeint ist  die „Legende Kölner Frauen“ der Kölner Künstlerin Zrinka Budimlija. In einem dunklen Zugang der KVB -Haltestelle zu der eigentlichen Platzanlage des Ebertplatz gelegen, werden die dortigen Leuchtkörper zu leuchtenden Kunstkörpern umfunktioniert. Sie weisen den Besucher darauf hin ,dass er sich zwar in einem reinen Zweckbau des Öffentlichen Personennahverkehrs befindet, der aber künstlerischen Zwecken durchaus zugänglich ist. Sehr abwechslungsreich werden Frauen, lebende wie bereits verstorbene ,dargestellt, für die eine  Beziehung zum Ebertplatzviertel aufgemacht werden kann. Diese kann in bereits lange verstrichenen Zeiträumen stattgefunden haben, sie  reicht aber in anderen Fällen bis in die heutige Gegenwart hinein. Thematisiert werden klösterliche Lebensverläufe aus den vier Klöstern des Stadtviertels ebenso wie heute im Viertel lebende und arbeitende Frauen. Insgesamt werden 17 Frauenbilder und 5 Texttafeln gezeigt. Letztere erklären die geschichtlichen Abläufe, die sich hinter den Frauenschicksalen verbergen. Einzelne Schicksale stellen sich als ein Teil der Kölner Stadtgeschichte dar, etwa wenn man sich den Lebensbericht über die Kölner Stadtpatronin St. Ursula vor Augen führt.

Aber die Präsentation findet ihren Aufmerksamkeitswert nicht  allein durch Geschichtliches. Die künstlerische Darstellung verdient besondere Erwähnung. Und hier ist es das Anliegen der Künstlerin,  die Frau von heute darzustellen und zu würdigen. Es ist nicht die frauliche Schönheit—oder sie ist es nicht allein–,die dargestellt werden soll, sondern es ist eher die Frau als Teil der Gesellschaft von heute: selbstbewust, zupackend ,fast arrogant und wissend um ihre Aufgabe und Funktion, die ihr in der Gesellschaft heute zukommt. Das zu zeigen,  ist das eigentliche Verdienst der  Ausstellung und ihrer Künstlerin und dafür gilt  Glückwunsch und Dank.

 

Herwig Nowak

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.