Gedanken zur Kunst

Soavi´s Offenbach

Vielleicht ist der Tanz die Kunstform, die heutige Gedanken und Empfindungen am ausdrücklichsten dazustellen vermag. Natürlich, auch die heutige Literatur will modern sein in diesem Sinne und unsere Malerei will Zeitgenössisches widergeben. Aber die Möglichkeiten des Tanzes, unseren Zeitgeist und seine seelischen Strömungen zu spiegeln, sind dennoch vielfältiger. Hier ist es der darstellende Körper, der sich heute frei von jeglichen früheren Konventionen des Barock oder des 19.Jahrhunderts zeigen kann und Geistiges in seinen vielen Schattierungen ausdrücken kann.

In diesem Sinne bot sich in Köln in diesen Tagen Erstaunliches, ja Meisterhaftes. Denn die Kompanie des jungen Choreografen Emanuele Soavi stellte als Auftragsarbeit der Kölner Offenbach- Gesellschaft e.V. ihre „Invasion—Ein Stück Tanz für Jacques Offenbach“ vor. Es waren 6 Tänzer, die ein Feuerwerk tänzerischer Leistungen abbrannten, mit dem das Wirken Offenbachs in der Kunstmetropole der damaligen Welt charakterisiert werden sollte. Dabei ging es wohl eher darum, Wirkungen seiner Werke in der Pariser Stadtgesellschaft aufzuzeigen, als den Versuch einer reinen  Interpretation zu machen.

Ohnehin wurden nicht alle getanzten Stücke der „Invasion“ musikalisch untermalt. Dabei boten aber  die von zwei Cellistinnen  gespielten Duette den durchaus tiefgründigen, nicht allenthalben gespielten Offenbach, z.T. übrigens durch elektronische Musik ergänzt.

Aber die Tanzstücke, ob nun musikalische untermalt oder nicht, waren voll von tänzerischer Intensität, ob kurz ,geradezu stakkatohaft dargeboten ,oder in einer legendenhaften Ausdehnung. Dabei fanden technische Hilfsmittel als Requisiten nur sparsam Verwendung. Grossflächige Fiberglasplatten etwa werden genutzt, um Szenen aus dem menschlichen Leben zu verdeutlichen, die Vereinsamung, das Zusammenleben, den Tod. Das diente der Klarheit der Aussage, die man sich bei einzelnen Szenen allerdings deutlicher gewünscht hätte.Insgesamt:70 aussergewöhnliche Minuten, die ein überraschtes, ja überwältigtes Publikum zurückliessen.

Herwig Nowak

 

MADAME OFFENBACH ERZÄHLT:MON MARI EST TOUJOURS EN VADROUILLE.MEIN MANN IST STÄNDIG AUF ACHSE

Dienstag, 1.Oktober 2019,19.30 Uhr, Köln, Institut francais, Sachsenring 77

Eine szenische Lesung mit Musik von Jaques Offenbach von und mit Gila Abutalebi (Text) und Amandine Duchchene (Musik) .

Karten 20.-Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf unter herwignowak@gmx.de

36 Jahre war Hermine d`Alcain mit Jacques Offenbach verheiratet. Über sie ist in der Literatur wenig bekannt. Das bringt Zeus dazu, Hermine irdisches Leben einzuhauchen und sie in das 21.Jahrhundert,in das Jahr 2019,zu entsenden. Hermine soll aus ihrem Leben mit Jaques  Offenbach berichten, um die Menschen im 21.Jahrhundert aufzuklären. Hermine streift durch  das 19.Jahrhundert und spricht ohne Punkt und Komma, ob über Romantik, die Musik, das Paris jener Zeit, die Oper und ihr persönliches Verhältnis zu Jacques. Dieser verweilt indessen in der Unterwelt….und Amandine Duchene spielt am Flügel Hermines Lieblingswerke von Jacques Offenbach, die eher unbekannten, romantischen Werke.

„MON MARI EST TOUJOURS EN VADROUILLE.MEIN MANN IST STÄNDIG AUF ACHSE“ ist  eine  gefühlvolle, stürmische, intensive und vor allem spannende musikalische  Zeitreise durch das 19.Jahrhundert hin zu den Wurzeln von Jacques Offenbach.

Das Projekt ist gefördert durch die Stadt Köln ,die Offenbach Gesellschaft Köln und die Freunde des Institut Francais Köln, um die deutsch-französische Freundschaft zu unterstützen.