Gelebte Freundschaft

–Jura studieren in Deutschland und Frankreich—

Wer in diesen Tagen den neuen Brexitvertrag zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich in bildungspolitischer Hinsicht durchsieht, wird ein bedauerliches Defizit erkennen. Gemeint ist der Studentenaustausch im Rahmen des Erasmusprogramms, der nach 30 erfolgreichen Jahren zum Jahresende ausläuft. Die Briten nehmen künftig lediglich am EU-Forschungsprogramm Horizon Europe und am Kernfusionsprojekt ITER  sowie am Copernicus-Satellitenprogramm und am Weltallprogramm SST teil.

All´ das mag Anlass sein, hier auf, das was bleibt hinzuweisen, speziell auf die deutsch-französische Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Rechts, wie sie seit Jahren zwischen der Albertus Magnus Universität in Köln und der Universite` Paris (Panth`eon-Sorbonne) durchgeführt wird . Ihre grundsätzliche Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Welch` grosser Fortschritt tut sich den deutschen und den französischen Studenten auf, in einem integrierten Studiengang  als homogene Gruppe die gleichen Fächer studieren zu können und dann mit einem Doppeldiplom(Bachelor of laws und matrisse  en droit) abschliessen zu können. Bei der Matrisse sind zwei Stufen vorgesehen. Im Einzelnen ergeben sich die Teilnahmevoraussetzungen aus der homepage des Studiengangs.

Das Studium beginnt jeweils zum Wintersemester mit einem zweijährigen Aufenthalt an der Universität zu Köln. Dort belegen die Teilnehmer neben den Lehrveranstaltungen des Grundstudiums zusätzliche Lehrveranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften im französischen Recht und im  Privatrechsvergleich. Nachdem die Prüfungen an der Kölner Universität bestanden sind ,wird das Studium in Paris fortgesetzt. Hier wird den Studenten der für die französische Maitrisse erforderliche Lehrinhalt vermittelt. Es besteht die Möglichkeit, sich im vierten Jahr zu spezialisieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss in Paris erwerben die Teilnehmer die Maitrisse en droit der Pariser Uni und den bacchelor of laws Köln/Paris.

Für den jungen Studenten begründet das geschilderte Studium eine erhebliche Erweiterung seines Wissenstableau, das-man könnte sagen- nunmehr “bipolar „ ausgelegt ist. Aber nicht nur das: auch rechts- und regelungsvergleichend stehen ihm Abwägungsmöglichkeiten zur Verfügung, die ihm ohne das Studium nicht gegeben gewesen wären. Überflüssig zu sagen, dass das deutsch-französische Doppelstudium eine günstige Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit  in Deutschland und Frankreich ist. Umso erstaunlicher ist allerdings die Feststellung, dass eine solche doppelte Ausbildung lediglich im Bereich der Rechtswissenschaften, nicht aber auch für andere geisteswissenschaftlichen Bereiche, etwa die Volkswirtschaft, gegeben ist. Ob insoweit nicht Nachholbedarf besteht?

Herwig Nowak

 

 

 

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