Kunst voll: Dresden

Es gibt nicht wenige Reisende nach Dresden, die der Stadt ihren Besuch in der nostalgischen Erwartung abstatten, dort Erinnerungen an das, was man als Kommunismus bezeichnete, zu erleben.

Kunstinteressierte  Besucher indes spüren der Stadt ob ihrer Bedeutung auf kunstschaffendem und kunstdarbietenden Gebiet nach. An sie richten sich die nachfolgenden Zeilen. Sie werden derzeit nicht enttäuscht.

Denn mit der Ausstellung „Zukunftsträume Kandinsky, Mondrian, Lissitzky abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1912-1932“,die derzeit im Dresdner Albertinum gezeigt wird, wird eine der grossen kunstorientierten Epochen der Stadt in die öffentliche Wahrnehmung zurückgerufen.

Eigentlich sind es drei Fundamente, auf denen der damalige künstlerische Ruhm der Stadt beruhte. Zunächst war es eine kleine aber überaus aktive Gruppe von Kunstgalerien, die sich dem sachlich-modernen Stil zuwandten. Sie waren stilbildend-mutig dem Neuen zugewandt. Nicht weniger mutig und stilorientiert war die ebenfalls kleine Gruppe Dresdner Sammler. Und dann war da die schon grössere Gruppe der Künstler, möglicherweise auf Dresden aufmerksam geworden durch die angedeuteten günstigen Arbeitsbedingungen, die sich der Stadt zuwandten. Darunter waren auch jene Künstler, die wir heute zu den ganz grossen der Zeit zählen: Lyonel Feininger, Piet Mondrian, Wassily Kandinsky, Kurt Schwitters, um nur einige zu nennen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Arbeitsweisen und der Aussagen der Künstler en detail, die die Künstler z.T. bereits seit früheren Betätigungen -etwa beim Bauhaus-praktizierten, lässt sich doch eine Kunstrichtung ausmachen, die wir heute mit den Adjektiven abstrakt-konstruktiv bezeichnen. Sie war bestimmt durch grafisch, mathematische Darstellungen im Bildnerischen. Aber weitere Kriterien lassen sich festmachen. Da ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Bild-Fläche, Bild- Raum. Da ist die Breite der künstlerischen Betätigung, die sich auch auf Möbel, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände bezog. Und da sind die kunsttheoretischen Arbeiten zu nennen, die sich etwa mit der Abgrenzung von Kunst und Design beschäftigen.

 

Wer sich also mit den Wurzeln unserer heutigen künstlerischen Aussagen beschäftigt, dem sei ein Besuch der Dresdner Ausstellung empfohlen.

 

Herwig Nowak

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