Offenbach-der Spötter

„Unsere Stadt ist voll von Offenbach“, so könnte man sagen. Die Kölner Offenbach-Gesellschaft, auch die Kölner Oper und manch` anderer Veranstalter überbieten sich fast in der Erinnerung an den geborenen Kölner, der in Paris musikalischen Ruhm erlangte. Wen wundert, dass sich auch die „Freunde des Institut francais Köln e.V.“ in nicht wenige als 10 Präsentationen des Themas annehmen.

Die jüngste war eine literarische, bei der Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums in Frankfurt, das grundlegende Werk über den Komponisten “Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit“ von Siegfried Kracauer auszugsweise vortrug. Bei der Interpretation des Werks assistierte ihr kenntnisreich der Kölner Journalist Dr. Axel Bornkessel. Zwei Offenbach Spezialisten hatten also das Wort.

Allein eine solche Präsenz verheisst schon Besonderes. Sie wurde getoppt durch die spezielle Thematik des Abends. Sie nämlich galt einem Wesenszug des Meisters, den man nicht entschieden genug in den Vordergrund rücken kann. Offenbach- sicherlich gemeinsam mit seinen Librettisten- war ein sehr kritischer Begleiter seiner Zeit. Viele Werke von ihm verstehen sich inhaltlich und musikalisch dadurch, dass er seiner Zeit den Spiegel vorhält, sie satirisch betrachtet. Und diese Satire ist das Salz in der textlichen und musikalischen Suppe. Ohne ihr Verständnis bleibt die Musik Offenbach schön und schmissig, aber wertvoll wird sie erst durch die Satire. Die charmante Referentin machte diese Aussage an zwei Operetten fest: dem „Pariser Leben“ und der“ Grossherzogin von Gerolstein“.Das „Pariser Leben“, die zauberhafteste aller Hymnen auf eine Stadt, ist dennoch geprägt von einer tiefen Skepsis den Despoten, Helden und selbst den Göttern gegenüber, die musikalisch von einer rauschhaft schönen Musik begleitet wird. Noch ironischer vielleicht die „Grossherzogin von Gerolstein“, die die deutsche Kleinstaaterei, die Militärisches und die den kaiserlichen (russischen)Hof aufs Korn nimmt und voll ist von Seitenhieben damals aktuellen, politischen Inhalts. Vieles davon lässt sich auf unsere Jetztzeit übertragen.

Herwig Nowak

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