Physik wird Kunst

Die freie Kunstszene in unserer Stadt ist mutig, kraftvoll, ideenreich. Dabei kommt dem Generieren neuer Kunstwerke derzeit besondere Bedeutung zu, leidet doch die Präsentation der Kunst  unter den unglücklichen Gegebenheiten der Corona Epedemie in vielfältiger und Besorgnis erregender Weise Not.

Die Kirche St. Gertrud, eine der Böhm-Kirchen in unserer Stadt und generell zuständig für „Kirche und Kultur“, verdient für das Entwickeln (und Zeigen) aktueller Kunst Beachtung. Unter dem Titel “Cold Harmonies“ wird dort  derzeit eine Rauminstallation dem Besucher dargeboten, die sich das Anliegen zu eigen macht, Gesetze der Physik musikalischen Ausdruck zu verleihen. Dabei handelt es sich-zunächst organisatorisch betrachtet- um eine Zusammenarbeit der Universität zu köln,1.Physikalisches Institut, Sonderforschungsbereich 956,Prof.Dr.Volker Ossenkopf-Okada, mit  dem Konzeptkünstler und Komponisten Tim Otto  Roth. Im Rahmen der Zusammenarbeit betreibt die Universität die physikalische Grundlagenforschung für das Experiment und der Komponist deutet diese musikalisch.

Physikalischer Ausgangspunkt der Zusammenarbeit sind die Forschungen zu Spektralnebeln, die aus Wolken von Gas und Staub bestehen und für das Entstehen neuer Sterne verantwortlich sind. Diese physikalischen Grundlagen werden ausgedeutet, d. h. interpretiert hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit, ihrer Dynamik, ihrer Transportfunktion und anderer Eigenschaften. Insbesondere sind aber die dabei entstehenden, für das menschliche Auge nicht sichtbaren Lichtwellen Gegenstand der Ausdeutung. Der Künstler setzt sie  in ein hörbares, sich stets neu komponierendes mikrotonales Klanggefüge zusammen. Das Klanggefüge ertönt aus 36 Kugeln, die in einer raumgreifenden Traube von der Kirchendecke herabhängen. Sie sind ständig in Bewegung, färben und verfärben sich immer wieder, rotieren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, kommen selten kurzfristig zu Ruhe und geben eben die verschiedenen Lautmalereien von sich. Das ist himmlische Sphärenmusik, geboren aus der Astrophysik unserer Zeit. Der Zuhörer ist beindruckt von der Vielzahl und Art dieser Mutationen.

Herwig Nowak

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.imachination.net/carousel/cologne_d.html

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