THVN—getanzt und gebeatet

Auch Beethoven leidet in seinem Gedächtnisjahr 2020 an Coronaler Insuffizienz. Da leuchtet in diesen Tagen, einer Sternschnuppe aus einer fernen Welt vergleichbar ,in seiner Geburtsstadt eine Präsentation auf, die seiner huldigt. An nicht weniger als 10 Örtlichkeiten in der Bonner Innenstadt—an unwirtlichen großstädtischen Betonwüsten wie vor lieblichen  städtischen Brunnen– widmet sich die private Initiative Cocoon Dance Company mit einer Schar junger Tänzer*innen aber auch durchaus älteren und jüngeren Liebhabern der Tanzkunst—tänzerisch und musikalisch der Erinnerung  an den grossen Sohn der Stadt.

Es findet also  ein tänzerisch-musikalischer Stadtparcour statt, der unter Bezeichnungen aus der Beethoven`schen Klangwelt Tanzformate aus der Jetztzeit bietet. “Prometheus“ versucht die meterdicke Mauer des Bonner Stadthauses  zu bezwingen, scheitert aber daran. Gnomenhaft Verkleidete ertanzen ein abgezirkeltes Karree, das sie nicht verliessen. Dabei war der Sinnzweck des Dargebotenen dem Urteil der Zuschauer überlassen. Dem Solotanz wird dabei ebenso Raum gegeben, wie dem Tanz zweier Beteiligter und Gruppentänzen. Auszumachen sind Elemente aus Breakdance, Parcourbewegungen und mehr. Wer allerdings musikalisch die Nähe zu Beethoven sucht, wird sich mit der Musik des Kölner Komponisten Jörg Ritzenhoff bei den Darbietungen etwas schwer tuen. In dem grossartigen finalen Dance Mob an der  Poppelsdorfer Allee finden sich dann allerdings alle Tänzer*innen zu livemusic einer  Band zusammen, die ihre gewisse Nähe zu Beethoven findet.

Insgesamt  eine hörens- und sehenswert-eigenwillige Veranstaltung. Aber Eigenwilligkeit war nun auch sein Charakterzug Beethovens.

Herwig Nowak

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