Wie betreibt man erfolgreiche Kunstförderung?

-Ein Interview mit Torsten Schreiber, künstlerischer Leiter der Johannes-Wasmuth Gesellschaft Bonn e.V.-

1.Frage: Herr Schreiber, Sie sind künstlerischer Leiter der Johannes Wasmuth Gesellschaft e.V.in Bonn, einer privatwirtschaftlich organisierten, gemeinnützigen, sagen wir mittelständischen Gesellschaft, die die Erinnerung an Johannes Wasmuth und seine künstlerische Arbeit im rheinischen Raum wachhält .Was muss man für diesen weitgefächerten Job mitbringen?

Antwort: Man muss alles mitbringen, was man geben kann. Das volle Engagement. Anders ausgedrückt: Man muss für seine Aufgabe brennen. Und man benötigt Kreativität und gute Ideen. Übrigens: Offenheit für Inspirationen, Nachdenken und Waldspaziergänge helfen auch.
Natürlich lassen sich in einem Studium Notwendigkeiten des Handelns erlernen und die Reaktionen darauf auch. Aber die Praxis ist der beste Lehrmeister .Ich selbst habe evangelischen Theologie studiert, nach dem Grundstudium aber die Musikwissenschaft zum Hauptfach gemacht. Statt des Pfarrerberufes habe ich dann den des Konzertmanagers, bzw. des Impresarios, wie es früher hiess, gewählt.

2.Frage: Was war und ist die Praxis?

Antwort: Mir persönlich geht es darum, musikalische und auch außermusikalische Ideen in den unseren Kulturveranstaltungen in der Praxis zu realisieren. Dabei ist das rheinische Publikum ein sehr aufgeschlossenes und dankbar für Neues, das gerne angenommen wird. Übrigens durchaus nicht kritiklos. Zwar ist die Umsetzung des als richtig Erkannten nicht immer leicht. Und dem Kontakt mit den Künstlern widme ich viel Aufmerksamkeit und Zeit. Ihre unterschiedlichen Herkünfte, Gewohnheiten und Eigenheiten-machen das Kreieren von Veranstaltungen noch spannender. Als dritte wichtige Determinante der Arbeit sind Sponsoren und Mäzene zu nennen, ohne die die Veranstaltungen schlechterdings nicht funktionieren, und das große ehrenamtliche Engagement aus Kreisen unseres Vorstandes und unserer Mitglieder.

3.Frage: Gibt es praktische Tricks, diesen Schwierigkeiten beizukommen und ein gutes Programm zu machen?

Antwort: Die praktische Erfahrung ist der beste Lehrmeister . Ich versuche, die Künstlerin und den Künstler in seiner hoffentlich ganzen Persönlichkeit zu sehen, seine Vorlieben, Nöte und Zwänge – und ihm seinen Aufenthalt möglichst leicht und auch originell zu gestalten und auf seine Wünsche einzugehen. Dann kann es beispielsweise gelingen, in seinem Terminplan eine Lücke aufzuspüren und dort eine eigene Veranstaltung zu plazieren.

4.Frage: Kunstförderung in Corona Zeiten

Antwort: Das Geschilderte ist „business as usual“. Die Coronakrise schafft ohne Frage neue Situationen und dauerhafte Wandlungen. Es ist zu früh, bestimmte Trends zu diagnostizieren. Dazu braucht es noch Zeit. Aber sicherlich wird es neue Dimensionierungen für die Räumlichkeiten der Veranstaltungen geben. Der Wasmuth Gesellschaft ist in diesen Wochen die Idee gekommen, mit einer Veranstaltung auf die Rheinwiesen vor dem Bahnhof Rolandseck/Arpmuseum zu gehen – denn ohnehin dürfen wir die Räume des Arpmuseums und des Bahnhofs Rolandseck, die in der Coronazeit ohnehin viel zu klein sind, seit Ende 2019 nicht mehr benutzen. So bleiben wir an Wasmuths Wirkungsstätte trotz des Rauswurfs präsent. Dazu kommt der frisch renovierte Kursaal in Bad Honnef, also gleich gegenüber. Der für 500 Personen ausgelegte Saal kann nun immerhin mit 100 Konzertbesucherinnen und –besuchern belegt werden. Mit diesen beiden Spielorten haben wir gute Erfolge.

Die Fragen stellte Herwig Nowak.

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