Zwei Künstlerleben in widriger Zeit:
Hans Grundig (1901-1958) und Lea Grundig (1906-1977)

Man schrieb das Jahr 1926 als sich die Lebenswege von Hans Grundig und Lea Langer in Dresden kreuzten, sie zwei Jahre später heiraten und beide seitdem ein gemeinsames Künstlerleben unter den schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der ersten Hälfte des Jahrhunderts begannen. Waren es zunächst die Nachwehen des ersten Weltkriegs, die das Leben und Arbeiten formten, so setzte bald der aufkommende und später der etablierte Nationalsozialismus dem Arbeiten freischaffender Künstler zunehmend enge Grenzen. Das galt zunächst für Hans Grundig, dann aber auch für seine Frau, der ihre jüdische Herkunft zusätzliche Schwierigkeiten bereitete. Hans Grundig, politisch dem Kommunismus nahe stehend, wurde mit einem Berufsverbot, Gefängnis- und Konzentrationslager-Aufenthalten belegt, seine Frau des Landes verwiesen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg normalisierten sich die Lebensbedingungen. Hans Grundig wurde zum Professor ernannt und Rektor der Dresdner Akademie der Bildenden Künste. Im Jahre seines Todes-1958-wird er mit einer grossen Ausstellung seiner Werke in Dresden geehrt. Derzeit werden er und seine Frau, die im Jahre 1977  verstarb, im Gedenken an den 120. Geburtstag des Künstlers in der renommierten Dresdner Kunst-“Galerie Mitte“ mit einer umfassenden Ausstellung unter dem Titel “Tiere und Menschen. Radierungen der 1930er Jahre aus der Sammlung Maria Heiner, Dresden“ geehrt. Interessanter Weise zeigt die Ausstellung auch Werkpaare zu gleicher Theamtik beider Künstler.

Man sollte das ausgestellte Werk von Hans Grundig in seiner Aussage durchaus als politische Kunst

werten, denn mit seinen als Radierungen dargebotenen Darstellungen von Tieren und Menschen ist durchweg eine politische Aussage verbunden. Schon durch diese Aufgabenstellung, die sich der Künstler gegeben hat, ist eine Wertigkeit des Werkes gegeben. Und sein Mut erfordert Anerkennung. Das Pferd etwa, ein beliebtes Sujet des Künstlers, ist ein fliehendes, immer wieder getriebenes (die Verfolgten). Auch die Wölfe sind eine aggressive, beissende Meute (die Verfolger). Fast überflüssig zu sagen, dass auch den Schweinen eine solche anklagende Funktion zukommt. All´ das drückt sich in der künstlerischen Art der Darstellung aus. Es sind ausgemergelte, “eckige“ Tierkörper. Man spürt die drohende Apokalypse in metaphorischer Form.

Demgegenüber ist die Stilistik von Lea Grundig in weicher, geschmeidiger,  fliessender Form gehalten.

Alles in allem:Eine Ausstellung, die durch ihre politische Aussage und deren künstlerische Realisierung Aufmerksamkeit verdient.

Herwig Nowak

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.